Aus der Praxis für die Praxis: Fachzeitschrift für datenbasierte Unternehmensführu​ng und Controlling

04/25

Serie: Moderne Kalkulationsmethodik 'Enterprise'

Thema 2: Verlustleistung der Fertigung

Grundsätzlich:

Die Ära der linearen Kalkulationsmethoden, wie z.B. der ‚Kostenträgerkalkulation mit Maschinenstundensatz‘ ist endgültig vorbei.

Ihre Schwächen und Fehler – fehlende Präzision, kein reales Unternehmenscontrolling machbar, wichtige Frühwarn- und Überwachungssysteme sind ausgeschlossen, nur ein unzureichendes Risiko- und Krisenmanagement möglich sowie die Unfähigkeit, individuelle Gewinn- und Verlustbeiträge der Produkte ‚Absatzleistung‘ exakt zu erfassen – gefährden sowohl die Wettbewerbsfähigkeit als auch die Existenz vieler Unternehmen; gerade heute in einem dynamischen und globalen Umfeld.

Die Einführung der modernen Kalkulationsmethodik „Parallele Kostenträgerkalkulation Enterprise mit Arbeitsplatzraten“ ist daher keine Option, sondern eine dringende Notwendigkeit. Der nachweisbare Verlust von bis zu 15 % Umsatzrendite durch die Nutzung veralteter Systeme unterstreicht eindrucksvoll den akuten Handlungsbedarf.

Verlustleistung der Fertigung:

Verlustleistung der Fertigung als unberücksichtigte Kostengröße in der traditionellen Kalkulation

In klassischen Kalkulationsmethoden wurde die sogenannte Verlustleistung der Fertigung bislang nicht erfasst und daher auch nicht berücksichtigt. Diese gravierende Methodenschwäche führt in vielen Unternehmen dazu, dass Produkte systematisch zu niedrig kalkuliert werden, da eine wesentliche Kostenkomponente unberücksichtigt bleibt.Insbesondere bei einer sinkenden Kapazitätsauslastung – in dem hier gezeigten Beispiel auf 70 % – treten die Folgen dieser fehlerhaften Kalkulationslogik deutlich zutage.

Die Nichtberücksichtigung der Verlustleistung der Fertigung ist maßgeblich für die Diskrepanz zwischen dem kalkulierten Gewinnaufschlag und dem am Periodenende tatsächlich erzielten (oft negativen) Renditeergebnis verantwortlich.

Die Ursache wird im Rechnungswesen oft mit Aufwand gesucht, dabei liegt es in einem der vorhandenen Methodenfehler begründet.

Zentrale Erkenntnis: Kosten und Rendite können ausschließlich über die realisierte Absatzleistung der Fertigung gedeckt bzw. erwirtschaftet werden.

In der bisherigen Betriebsbuchhaltung findet sich diese zentrale Bezugsgrößen-Abhängigkeit jedoch nicht wieder. Das Betriebsabrechnungsbogen-System (BAB) basiert auf Daten aus der Finanzbuchhaltung, welche zwar Umsätze und Erlöse der Produkte kennt, jedoch keine Aussagen über die tatsächlich abgesetzte Fertigungsleistung der Produkte in der Absatzleistung liefern kann.

Dieses strukturelle Defizit setzt sich auch in der betriebswirtschaftlichen Hochschullehre fort: Dort wird die Gemeinkostenverteilung regelmäßig lediglich anhand statistischer Bezugsgrößen durchgeführt – ohne den zwingend notwendigen Bezug zur Absatzleistung. Diese Herangehensweise ist nicht nur praxisfern, sondern auch wissenschaftlich bei genauer Betrachtung nicht haltbar. Bezugsgrößen müssen stets auf die tatsächlich realisierte Absatzleistung der Fertigung bezogen werden.

Definition der Verlustleistung der Fertigung: Die Verlustleistung der Fertigung beschreibt die Differenz zwischen der installierten Fertigungskapazität eines Unternehmens und der Summe der in verkaufsfähigen Produkten realisierten Absatzleistung der Fertigung.

Da eine hundertprozentige Nutzung der installierten Kapazität in der Praxis nie erreicht wird, ist ein gewisser Anteil an Verlustleistung systemimmanent. Diese Verlustleistung verursacht dennoch Kosten, die durch die verbleibende Absatzleistung gedeckt werden müssen.

Je geringer die Auslastung der Kapazitäten, desto größer fällt die Verlustleistung aus – mit der Konsequenz, dass die zur Deckung der Fixkosten notwendige Leistung auf weniger verkaufte Einheiten verteilt werden muss. Dadurch steigen die Stückkosten signifikant, was in der traditionellen Kalkulation nicht adäquat abgebildet wird.

Beispiel für das KME-Durchschnittsunternehmen

(*) Kunststoff-, Metall- und Elektrounternehmen)

Auslastung 93% liefert eine Verlustleistung der Fertigung von 8,32%:Die Unternehmensrendite beträgt 5,57% 

Auslastung 75% liefert eine Verlustleistung der Fertigung von 24,97%:Die Unternehmensrendite reduziert sich massiv auf nun negative -5,87%

Die Gemeinkosten-Faktoren verändern sich wie folgt:

Fazit – Ein Weckruf für Unternehmen:

Die Zeit veralteter Kalkulationssysteme ist vorbei – und mit ihr die Illusion, auf dieser Basis nachhaltige Unternehmensentscheidungen treffen zu können. Die Nichtberücksichtigung der Verlustleistung der Fertigung stellt eine gravierende Schwachstelle in der traditionellen Kalkulation dar. Sie verzerrt nicht nur die Produktkosten, sondern gefährdet in letzter Konsequenz die Rendite, Wettbewerbs-fähigkeit und Existenz ganzer Unternehmen.

Wer heute noch mit Maschinenstundensätzen rechnet, kalkuliert am Risiko vorbei. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Schon bei einer Kapazitätsauslastung von nur 75 % rutscht das Unternehmen tief in die Verlustzone – nicht durch externe Schocks, sondern durch interne Blindheit für strukturelle Defizite.

Die Einführung der Parallelen Kostenträgerkalkulation mit Arbeitsplatzraten ist kein „Nice-to-have“, sondern eine Überlebensfrage. Moderne Kalkulation muss sich an der Realität der Absatzleistung orientieren – alles andere ist betriebswirtschaftliche Augenwischerei, nicht nur in der Funktion ‚Kalkulation‘, sondern auch im Unternehmenscontrolling.

Wer Gewinne sichern will, muss jetzt handeln.

Die Ignoranz gegenüber der Verlustleistung ist kein Kavaliersdelikt – sie ist ein Kalkulationsfehler mit existenziellen Folgen. Nur wer seine echten Kosten kennt, kann auch echte Gewinne erzielen.