Ein EBIT-Forecast auf Basis des externen Rechnungswesens oder vergangenheitsorientierter Finanzdaten – wie in vielen EPM- und CPM-Systemen, einschließlich, nur als Beispiel aus der Praxis, der LucaNet CFO Solution Plattform – ist für die Unternehmenssteuerung ungeeignet, wenn Auslastung sowie die individuellen Gewinn- und Verlustbeiträge der Produkte als zentrale Ergebnis- und Kostentreiber fehlen.
Bernd Robertz
Das externe Rechnungswesen bildet ausschließlich die rechtlich normierte Finanz- und Steuerrealität der periodischen Unternehmens-Vergangenheit ab – jedoch nicht die ökonomische Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens. Wird diese methodische Grenze ignoriert, entstehen Forecasts, die nur scheinbar präzise sind, tatsächlich aber immer falsch sind und ohne keinerlei Aussagekraft für operative oder strategische Entscheidungen besitzen.
Drei zentrale methodische Schwächen & Systemfehler, die jede EBIT-Prognose entwerten
Fehlende Berücksichtigung des Hauptkosten- und Veränderungs-faktors Auslastung
Die Auslastung ist der entscheidende Treiber der Kosten- und Ergebnisstruktur. Eine Reduzierung der Auslastung von 93% auf z.B. 79% hat ca. die gleiche Kostenwirkung wie die Vertriebs- und Verwaltungs-kosten des Unternehmens.
Wird die Auslastung in der Planung und Prognose nicht berücksichtigt oder nur pauschalisiert, sind sämtliche Daten – von den Kostenstellen über Deckungsbeiträge bis hin zum EBIT – methodisch falsch.
→ Ein EBIT-Forecast ohne Auslastungsmodellierung ist ein reiner Zufallswert, kein Steuerungsinstrument.
Fehlende Ermittlung der individuellen Gewinn- und Verlustbeiträge in der Absatzleistung
Eine realistische EBIT-Prognose erfordert die Kenntnis der einzelnen Leistungsbeiträge der Produkte, Dienstleistungen oder Kundenaufträge.
Ohne diese Aufschlüsselung bleibt unklar, welche Wertschöpfungsprodukte in der Absatzleistung zum Ergebnis beitragen und welche Verluste erzeugen. Auch bei gleichem Umsatz führt ein verändertes Produktportfolio immer zu einem völlig anderen EBIT-Ergebnis. Fehlsteuerung von Preisen, falsche Investitions-, Zukunft- und Vertriebs-entscheidungen und operative Blindheit sind das direkte Ergebnis.
→ Ohne diese Kalkulationsgüte ist ein EBIT-Forecast faktisch ausgeschlossen.
Fehlende Quantifizierung der Kosten-Wettbewerbsfähigkeit
Wettbewerb findet nicht auf der Ebene der Bilanz, sondern auf der Ebene der Kosten-, Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit (KLWR) statt.
Nur wenn die Kostenstrukturen standardisiert, vergleichbar und im Soll-Ist-Abgleich messbar sind, kann ein Unternehmen seine Wettbewerbsposition objektiv bewerten.
Ohne diese Quantifizierung sind keine belastbaren Kosten-Wettbewerbs-analysen, keine Frühwarnsysteme und keine Soll-Ist-Leistungs- und Kosten-Vergleiche, auch die Basis für ein reales Unternehmenscontrollings, möglich.
→ Ein Unternehmen, das seine Kosten-Wettbewerbsfähigkeit nicht kennt, steuert im Blindflug.
Beispiel: Warum Vergangenheitswerte keine Zukunft abbilden können
Forecasting basiert definitionsgemäß auf der Bewertung zukünftiger Situationen – nicht auf der Fortschreibung der Vergangenheit. Viele EPM- und CPM-Systeme, darunter auch LucaNet, nutzen jedoch überwiegend Vergangenheitswerte aus dem externen Rechnungswesen als Basis für Prognosen.
Dieses Vorgehen ist methodisch fatal, denn Zukunft ist immer veränderlich: Produktmix, Auslastung, Preisstrategien, Marktbedingungen und Kostenstrukturen ändern sich permanent.
Ein praxisnahes Beispiel verdeutlicht die Problematik:
Beispiel: Produktportfolio, Auslastung und EBIT-Forecast
Ändert sich das Produktportfolio eines Unternehmens – etwa durch eine Verschiebung hin zu margenärmeren Produkten oder Dienstleistungen – kann sich bei gleichem Umsatz ein völlig anderes EBIT-Ergebnis ergeben.
Die Ursache liegt in den stark unterschiedlichen individuellen Gewinn- und Verlustbeiträgen der einzelnen Produkte innerhalb der Absatzleistung.
Ohne die systematische Erfassung dieser Beiträge mit einem integriertes ID-Preismanagement auf Basis der ‚Dynamischen Walkurve‘ sind EBIT-Prognose immer grob falsch.
Verschärft wird dieser Effekt, wenn sich zusätzlich die Auslastung ändert:
Sinkt die Auslastung beispielsweise von 93 % auf z.B.79,4 %, (Durchschnittliche Auslastung aller Industrieunternehmen in Deutschland Ende 2024) steigen die relativen Fixkostenanteile erheblich.
(!) Die dadurch entstehenden Mehrkosten bewegen sich auf dem Level der Summe der Vertriebs- und Verwaltungsgemeinkosten.
– mit der Folge, dass der ursprünglich prognostizierte EBIT-Wert nicht nur verfehlt, sondern in der Realität völlig ins Gegenteil verkehrt werden kann.
Ergebnis:
Ein Forecast, der weder Produktmix-Effekte noch Auslastungs-änderungen berücksichtigt, liefert systematisch falsche Ergebnisse – unabhängig von der Datenqualität oder technischen Automatisierung der Plattform.
Dies ist nur vermeidbar mit der Transformation der alten klassische Kosten- und Leistungsrechnung (KLR) auf die neue dazu entwickelte moderne Kosten- und Leistungsrechnung (M-KLR).
Folge: Unzureichende Entscheidungsbasis trotz technischer Automatisierung
Viele moderne Plattformen – darunter auch LucaNet – bieten hoch-entwickelte Planungs- und Konsolidierungswerkzeuge, basierend auf Daten des externen Rechnungswesens. Sie automatisieren Buchungen, Forecasts und Berichte, ohne jedoch die zugrundeliegende betriebswirtschaftliche Leistungslogik zu integrieren.
Ein solcher EBIT-Forecast bleibt nicht nur oberflächlich, sondern liefert ein hohes Insolvenzrisiko:
Schlussfolgerung: Ohne modernes Management Accounting auf Basis der neuen M-KLR kein echtes Forecasting
Die methodische Lücke zwischen Finanzplanung (externes Rechnungs-wesen) und realer Unternehmenssteuerung (internes Rechnungswesen / heute Management Accounting) ist die Hauptursache fehlerhafter EBIT-Forecasts und strategischer Fehlentscheidungen.
Nur durch die Integration eines modernen Management Accountings (MCU) – mit der neuen modernen standardisierter Kosten- und Leistungsrechnung (zwingende Basis für die Auslastungssteuerung, für die Feststellung der individuellen Leistungsbeiträgen mit dem ID-Preismanagement und sicheren Zielgrößen aus quantifizierten Kosten-Wettbewerbsanalysen, usw…) – wird eine realitätsgerechte Führung und Steuerung von Unternehmen erst möglich.
Fazit: Ein EBIT-Forecast, der auf der reinen Logik des externen Rechnungs-wesens oder auf aggregierten Finanzdaten der Vergangenheit beruht (wie bei vielen EPM- und CPM-Systemen), kann keine reale Unternehmens-steuerung ermöglichen, wenn die Auswirkung der Auslastung und die Führungs- und Steuerungsgröße ‚Individuelle Gewinn- oder Verlust-beiträge der Produkte in der Absatzleistung‘ als Hauptkosten- und Ergebnistreiber fehlen.
Zukunft ist nicht Vergangenheit