Aus der Praxis für die Praxis: Fachzeitschrift für datenbasierte Unternehmensführu​ng und Controlling

04/25

Kosten-Wettbewerbsanalysen

ICP-Faktor-Vergleich und reales Unternehmenscontrolling

Hagen Königseder

In einer zunehmend globalisierten und dynamischen Wirtschaft steht das Unternehmenscontrolling vor der großen Herausforderung ‚Realität‘. Es reicht nicht mehr aus, lediglich interne Leistungen zu steuern – gefragt ist eine objektive, monetäre Bewertung der Wettbewerbs- und Leistungsfähigkeit des Gesamtobjektes Unternehmen.

Neben vielen anderen festgestellten Schwächen und Fehler war die alte traditionelle Kosten- und Leistungsrechnung (KLAR) dazu methodisch auch nicht befähigt für die Durchführung von Kosten-Wettbewerbsanalysen. Dies ist in der heutigen Globalisierung, wo die Sollsituation für die Unternehmen oft aus der Wettbewerbssituation bestimmt wird, nicht mehr akzeptierbar gewesen. 

Der International Corporate Performance-Faktor (ICP-Faktor) markiert einen grundlegenden Paradigmenwechsel in der Methodik und Aussagekraft des Unternehmenscontrollings.

Bisher scheiterte ein reales Unternehmenscontrolling an der funktional und bereichsbezogen getrennten Kostenrechnung – ein K.O.-Kriterium für ein ganzheitliches Unternehmenscontrolling. Zusätzlich erwies sich die herkömmliche lineare „Kostenträgerkalkulation mit Maschinenstundensatz“ als methodisch risikobehaftet und ungeeignet.

Erstmals ermöglicht der ICP-Faktor – als zentraler Leistungs-Bewertungsbaustein eines integrierten, zukunftsorientierten Wettbewerbs- und Unternehmenscontrollings – globale sowie standortspezifische Kosten- und Wettbewerbsvergleiche.

Ergänzend von zentraler Wertigkeit: Ein modernes Wettbewerbs- und Unternehmenscontrolling muss dabei stets als Frühwarn- und Überwachungssystem konzipier sein, um einen entscheidenden Mehrwert in der Risiko- und Krisenprävention, sowie Unternehmens-Resilienz zu liefern.

1. Die Grenzen der klassischen Kosten- und Leistungsrechnung

Traditionelle Kostenrechnungssysteme sind vorrangig intern ausgerichtet, oftmals getrennt in Betriebsbuchhaltung und Kalkulation in der Arbeitsvorbereitung. Diese Segmentierung verhindert eine ganzheitliche Sicht auf Wertschöpfung und Wettbewerbsposition. Zwei fundamentale Schwächen stechen bei der alten Kosten- und Leistungsrechnung (KLR) hervor:

  • Hohe Ergebnisungenauigkeit allein schon durch z.B. der fehlende Auslastungsabbildung. Die klassische KLR ignoriert den Hauptkosten- und Veränderungsfaktor ‚Auslastung‘, obwohl diese den zentralsten Kostenveränderungsfaktor in Industrieunternehmen darstellt. Dadurch entstehen signifikante Verzerrungen in der Produkt- und Leistungskalkulation. Auslastung ist dabei nicht nur ein operativer Faktor, sondern ein wesentlicher strategischer Steuerungshebel. Ein reales Unternehmenscontrolling erkennt man gerade daran, dass es die Auswirkungen von Auslastungsveränderungen vollständig, präzise und ergebniswirksam abbildet.

  • Keine wettbewerbsbezogene Aussagekraft. Die alten Kosten- und Leistungsrechnung musste durch die festgestellten massiven Schwächen und Fehler von Grund auf neu entwickelt werden. Innerhalb der Neuentwicklung wurde auch das Ziele Wettbewerbsanalyse vorgegeben, da diese in der heutigen Globalisierung von ganz zentraler Bedeutung sind. Wettbewerbsfähigkeit muss heute in den Unternehmen messbar und steuerbar sein.

Ist mein Unternehmen und wie ist mein Unternehmen wettbewerbsfähig?

Die Methodik der Wettbewerbsanalyse und Feststellung der aktuellen oder notwendigen Wettbewerbsfähigkeit wurde als Reaktion auf die Erkenntnisse aus den Schwächen der alten Kostenrechnung entwickelt, mit dem Ziel, Wettbewerbsfähigkeit messbar und steuerbar zu machen.

2. Der ICP-Faktor als Antwort und Lösung auf die heute globale Wettbewerbsanforderung

Der ICP-Faktor (International Corporate Performance-Faktor) bietet eine methodisch fundierte Lösung für diese Defizite. Er dient der quantitativen Bewertung der Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmensstandorts im Vergleich zu internationalen Referenzregionen.

2.1 Methodik des ICP-Vergleichs

Das Grundprinzip besteht darin, das Unternehmen in seiner vorhandenen Struktur und Auslastungssituation hypothetisch in eine andere Wettbewerbsregion zu verlagern. Dabei werden die Leistungsgrößen Unternehmensstruktur und Unternehmenssituation (normierte Auslastung 93%) gleich gehalten, während die dritte Leistungsgröße ‚Kosten-Faktor-Leistung‘ mit ihren vielen Standortfaktoren – wie Löhne, Gehälter, Personalnebenkosten, Energiekosten, Raumkosten etc. – auf das lokale Niveau der Vergleichsregion angepasst werden.

2.2 Berechnung der ICP (*)-Wettbewerbsdifferenz, dem DAC-Faktor (**)

Aus dem ICP-Faktor-Vergleich lässt sich der Wettbewerbsabstand in Prozent und Euro (oder in anderen gewählten Währungen) je Leistungseinheit exakt ableiten.

(*) Der ICP-Faktor (International Corporate Performance-Faktor) definiert den Leistungseinsatz des Gesamtunternehmens im Verhältnis zum vorhandenen Ergebnis, also der Summe der vorhandenen Wertschöpfungsleistung in einer definierten Wirtschaftsperiode. Der direkte ICP-Wert eines Unternehmens allein ist aussagearm.

(**) DAC-Faktor: Divergence Average and Competition – Faktor

Praxisbeispiel: Anwendung der ICP-Methode

Fall: Ein Maschinenbauunternehmen in Deutschland NRW möchte wissen, ob sein deutscher Produktionsstandort gegenüber einem Standort in Polen oder der Slowakei wettbewerbs- und zukunftsfähig ist.

  1. Es wird ein ICP-Profil des deutschen Standorts erstellt.
  2. Dieselbe Produktions- und Leistungsstruktur wird hypothetisch in die Zielregion „verlegt“ (simulativ), aber identisch belassen.
  3. Die lokalen Kostenfaktoren (Löhne, Gehälter, Personalnebenkosten, Raumkosten, Energie etc.) aus verlässlichen Value Benchmarks- Datenbanken werden herangezogen.
  4. Die ICP-Faktoren werden verglichen und der DAC-Faktor bestimmt.  
  5. Ergebnis:
  • ICP-Faktor Deutschland: 38,98
  • ICP-Faktor Slowakei: 30,89
  • DAC-Faktor -Wettbewerbsabstand: -20,76 % / 7.939.537 €

    3. Voraussetzungen für reales Unternehmenscontrolling

    Ein wirksames Unternehmenscontrolling erfordert mehr als klassische Controlling-Instrumente und Vorgaben:

    Integrierte und eine dazu befähigte Kalkulationsmethodik: Die Kalkulation muss veränderungssensibel sein und Inputfaktoren wie Auslastung, Lohnniveau oder Energiepreise direkt abbilden.

    Direkte Kopplung an Value- Benchmark-Datenbanken: Die ICP-Vergleichswerte müssen über Schnittstellen automatisiert einfließen.

    Zentrale Rechenlogik mit Simulationsfähigkeit: Nur so lassen sich Szenarien wie eine Verlagerung oder eine Energiepreissteigerung ergebniswirksam und der notwendigen Ergebnisgüte simulieren.

    IT-integriertes Tooling: Unternehmenscontrolling braucht eine Plattform, die alle Daten, Logik und Value-Benchmark-Datenbanken in Echtzeit verbindet und visualisiert.

    Berücksichtigung der Auslastung als Hauptkosten- und Veränderungs-treiber: Die Fähigkeit, Auslastungsschwankungen als dominanten Kosten- und Ergebnisfaktor differenziert zu analysieren und zu steuern, ist ein zentrales Qualitätsmerkmal echten Unternehmenscontrollings. Fehlt dies ist ein reales Unternehmenscontrolling schon somit ausgeschlossen.

    4. Fazit: 

    Der DAC-Faktor (externe Größe) und der wichtige Veränderungs- und Hauptkostenfaktor Auslastung (interne Größe) sind Grundpfeiler eines modernen und realen Unternehmenscontrollings.

    Kennzeichnung ‚ja oder nein‘ für ein vorhandenes Unternehmenscontrolling in den Unternehmen!

    Weitere Erkennungszeichen sind 
    ein fehlendes EPM-S (*), die Bereichs- und Funktionstrennung zwischen Betriebsbuchhaltung (BAB) und Kalkulation, die im Unternehmen noch gelebte gefährliche Kostenträgerkalkulation mit Maschinenstundensatz und fehlende standardisierte Leistungs- und Wettbewerbskennzahlen.

Der ICP-Faktorvergleich hebt das Controlling aus seiner traditionellen, vergangenheits- und nur intern orientierten Rolle in eine neue strategische Dimension eines realen effektiven Unternehmenscontrollings.

Nur mit dieser Methodik ist es möglich, die Wettbewerbsfähigkeit quantitativ zu bewerten, gezielt zu optimieren und fundierte Standortentscheidungen zu treffen. Unternehmenscontrolling wird damit zum aktiven Steuerungsinstrument der globalen Wettbewerbsposition – präzise, datenbasiert und zukunftsorientiert.

Ein reales Unternehmenscontrolling, zwingend aufgebaut als Frühwarn- und Überwachungssystem, ist nur möglich mit der neuen Methodik der Kosten- und Leistungsrechnung und über die angezeigten standardisierte Leistungs- und Wettbewerbskennzahlen ermittelt aus den zwingenden Soll-Ist-Vergleichen.

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https://www.controllingportal.de/Fachinfo/Konzepte/Prof.-Boehle-Wandel-des-Controllings-zum-Digitalen-Kompass-fuer-Fuehrung-in-Unternehmen.html

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