Methodik der klassische Kosten- und Leistungsrechnung (KLR) kein Unternehmenscontrolling, kein wichtiges Frühwarn- und Überwachungssystem oder Kosten-Wettbewerbsanalysen zulässt und damit ein hohes nachweisbares Insolvenzrisiko für den Anwender ‚Unternehmen‘ hat!
Redaktion ‚Controlling-Paper‘
Die klassische Kosten- und Leistungsrechnung (KLR) ist nach wie vor in vielen Industrieunternehmen und leider auch in vielen Hochschullehren im Einsatz – obwohl sie in ihrer Methodik längst als nachweisbar überholt ist.
Sie basiert auf linearen, pauschalisierten Kalkulationsmodellen, ignoriert zentrale Kostentreiber wie den grundsätzlichen Hauptkosten- und Veränderungsfaktor ‚Auslastung‘ und ist blind gegenüber dem Einsatz der heute wichtigen Führungs- und Steuerungsbedürfnissen von Unternehmen.
Die gravierendste Feststellung:
Mit der klassischen KLR war und ist ein reales Unternehmenscontrolling, auch aufgebaut als Frühwarn- und Überwachungssystem schon methodisch ausgeschlossen. Auch die in der heutigen Globalisierung wichtigen Kosten-Wettbewerbsanalysen sind mit der klassischen Vollkostenrechnung methodische ausgeschlossen.
In Zeiten globalisierter Märkte, zunehmender Komplexität und enormer Wettbewerbsintensität wird dieser methodische Mangel zur konkreten Existenzgefahr. Die Fakten sprechen eine eindeutige Sprache.
Ein weiterer gravierender Nachteil der klassischen linearen Vollkosten- und Teilkostenrechnung ist die fehlende Ergebnisgüte.
1. Methodische Defizite: Warum die klassische KLR gescheitert ist
Die Schwächen der klassischen KLR sind nicht nur Detailschwächen – sie sind systemisch und tief durch grundsätzliche Schwächen und Fehler verankert. Sie führen zu falschen Ergebnissen, gefährlicher Intransparenz und letztlich zu strategischer Blindheit:
▸ Trennung von Betriebsbuchhaltung und Kalkulation
Zwei Systeme, zwei Denkweisen – die klassische KLR trennt Kalkulation und Buchhaltung in isolierte Einheiten.
Die Folge:
Inkonsistente Daten, fehlender Gesamtüberblick keine Entscheidungs-sicherheit und widersprüchliche oder falsche Steuerungsinformationen.
▸ Fehlende Integration zentraler Steuerungsfaktoren
Die klassische KLR berücksichtigt keine elementaren Leistungs- und Wettbewerbs-faktoren wie Produktivität, Auslastung, Leistungsverluste der Fertigung oder individuelle Produktprofitabilität.
▸ Gemeinkostenfaktoren auf falschen Bezugsgrößen
Gemeinkosten werden losgelöst von der Absatzleistung verteilt – dem einzigen Faktor, der Kosten tatsächlich deckt. Dadurch werden Produkte durch fehlerhafte Gemeinkostenfaktoren und dem Fehler der Gemein-Kostenfaktors ‚Verlustleistung der Fertigung‘ falsch bewertet, zu günstig kalkuliert und führen zu Margenverlusten.
▸ Ignoranz gegenüber dem Hauptkostentreiber „Auslastung“
Die Auslastung ist einer der entscheidenden Einflussfaktoren auf Wirtschaftlichkeit und Rentabilität. Die klassische KLR blendet diesen Veränderungsparameter vollständig aus – mit systematisch falschen Ergebnissen, Analysen und Bewertungen.
▸ Ungeeignete Bezugsgrößen (Herstellkosten, Selbstkosten)
Die Methodik mit den Faktoren auf Herstellkosten (HK) / Selbstkosten (SK) verhindert differenzierte Gewinnsteuerung, globale Standortvergleiche, Wettbewerbsanalysen und moderne Make-or-Buy-Entscheidungen.
▸ Lineare Kalkulationslogik ohne differenzierte Zuschlagsfähigkeit
Zukaufteile und Eigenleistungen werden gleichbehandelt – ein gravierender Fehler, der moderne Einkaufsstrategien (z. B. System- und Moduleinkauf) wirtschaftlich unattraktiv oder unmöglich macht.
▸ Verzerrte Maschinenkostenrechnung
Die klassische Maschinenkostenrechnung liefert ungenaue Ergebnisse, da insbesondere Kapazitätskosten und Schrottraten nicht korrekt abgebildet werden.
Vergleichsanalysen zwischen Arbeitsplätzen, Produkten, Standorten, Unternehmen und Lieferanten sind nicht möglich, also auch hier schon z.B. keine globalen Wettbewerbsanalysen und das in der heutigen dynamischen Globalisierung mit dem hohen Preisdruck der Kunden.
2. Ausschluss des Unternehmenscontrollings – mit fatalen Folgen
Ein reales Unternehmenscontrolling umfasst Steuerung, Überwachung, Früherkennung und Wettbewerbsbewertung. Die klassische KLR verhindert all dies – und führt zu folgenden strukturellen Risiken:
- Kein reales Unternehmenscontrolling
- Kein Frühwarnsystem für wirtschaftliche Abweichungen
- Keine Möglichkeit für globale Wettbewerbsanalysen
- Keine Möglichkeit, um das enorme Veränderungspotential des Hauptkosten- und Veränderungsfaktor ‚Auslastung‘ zu erkennen.
- Keine individuelle Produktbewertung (Gewinn- oder Verlustbeitrag)
- Keine Integration in IT-Systeme mit dynamischer Steuerung
- Hohe Intransparenz und Konfliktpotenzial im Unternehmen
- Fehlende Entscheidungsbasis für Investitionen, Pricing und Strategie
- Systematische Fehlkalkulationen mit existenzgefährdenden Folgen
- Kein strategisches Beschaffungsmanagement
- Kein echtes Risikomanagement möglich
- Kein zielgesteuerter Aufbau von Resilienz möglich
- Keine Möglichkeit für die für ein reales Unternehmenscontrolling zwingend notwendigen Leistungs- und Wettbewerbskennzahlen.
Die dramatische und bisher unterschätzte Folge:
Fehlsteuerung, Keine Zielfaktoren, kein Risikomanagement. Leistungsverlust, Wettbewerbsnachteile – bis hin zur Insolvenz. All das nicht aus Managementversagen, sondern aufgrund einer systemisch untauglichen Methodik der klassischen Kosten- und Leistungsrechnung.
3. Die alte KLR ist nicht reformierbar – gefährlich für den Anwender
Die Analyse zeigt: Die klassische KLR basiert auf Grundannahmen und Methodenschwächen, die wissenschaftlich längst überholt sind.
Ihre Weiterverwendung ist nicht nur betriebswirtschaftlich für den Anwender ‚Unternehmen‘ und unserem Wirtschaftsstandort Deutschland, sondern auch haftungsrechtlich problematisch.
Fazit:
Unternehmen, die weiter auf klassische KLR-Systeme setzen, setzen sich erhöhten Insolvenzrisiken aus – und gefährden ihre Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit.
Schlussfolgerung – Ein Weckruf an alle Unternehmen
Die klassische Kosten- und Leistungsrechnung ist nicht nur veraltet – sie ist methodisch ungeeignet für eine zukunftsfähige Unternehmens-steuerung.
Ihre zentralen Schwächen und massiven Fehler – lineare Kalkulationslogik, ungenaue Gemeinkostenverteilung, fehlende Auslastungsberücksichtigung und völlige Abkopplung von realem Unternehmenscontrolling – haben sich als gravierende Risikofaktoren erwiesen.
Unternehmen, die weiterhin auf diese Methoden setzen, nehmen unbewusst hohe Verluste, strategische Fehlentscheidungen und ein latentes Insolvenzrisiko in Kauf.
Die gute Nachricht:
Die moderne Kalkulationsmethodik ist vollständig entwickelt.
Mit der ‚Parallelen Kostenträgerkalkulation Enterprise‘ auf Basis individueller Arbeitsplatzraten steht heute ein praxiserprobtes, wissenschaftlich fundiertes System zur Verfügung – ergänzt durch leistungsfähige Enterprise Performance Management Systeme (EPM-S), die ein vollständig integriertes, reales Unternehmenscontrolling ermöglichen. Frühwarnsysteme, Wettbewerbsanalysen, präzise Produktkalkulationen, individualisierte Gewinn- und Verlustbeiträge der Absatzleistung – all das ist längst realisierbar. Und dringend notwendig.
Die Ära der linearen Kalkulationssysteme – etwa der linearen Maschinenstundensatz-Kalkulation – ist endgültig vorbei.
Wer heute noch auf die klassische KLR setzt, handelt nicht nur gegen betriebs-wirtschaftliche Vernunft – sondern gefährdet aktiv Rendite, Wettbewerbsfähigkeit und die Existenz, Wert und Zukunft seines Unternehmens.
Es ist Zeit umzudenken. Jetzt!
Literaturverzeichnis
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