Aus der Praxis für die Praxis: Fachzeitschrift für datenbasierte Unternehmensführu​ng und Controlling

04/25

Interim-Management braucht EPM-Systeme:

Warum moderne Unternehmenssteuerung ohne neue Leistungs-, Kosten-, und Wettbewerbs-Transparenz nicht tragfähig ist.

Thorsten Matusche

In einer Zeit rasanter Marktveränderungen, globaler Wettbewerbsintensität und immer kürzerer strategischer Zyklen gewinnt Interim-Management massiv an Bedeutung.

Unternehmen holen sich gezielt externe Führungspersönlichkeiten, um akute Probleme zu lösen, strategische Neuausrichtungen einzuleiten oder operative Schwächen schnell zu korrigieren.

Doch in der Praxis stößt das Interim-Management immer auf massive Informationsdefizite – verursacht durch fragmentierte ERP-Systeme, veraltete Steuerungsinstrumente und fehlende Enterprise Performance Management-Systeme (EPM-S).

Ein weiteres zentrales Problem sind die festgestellten groben Schwächen und Fehler in der alten klassischen linearen Kosten- und Leistungsrechnung, die die meisten der sechs definierten K.-O.-Kriterien für Unternehmen verursacht.

Ein unabhängiges, modernes Enterprise Performance Management (EPM)-System ist daher keine Option, sondern ein zwingender Erfolgsfaktor.

ERP-Systeme: Vergangenheitsorientiert und steuerungsarm

Klassische ERP-Systeme wurden für die operative Prozessabwicklung konzipiert – Buchung, Lagerverwaltung, Lohnabrechnung. Sie liefern Daten über „was war“, aber keine Informationen über „was kommt“ oder „was wäre, wenn“.

Für Interim-Manager, die in kürzester Zeit valide Analysen, Entscheidungen und Maßnahmen umsetzen müssen, sind diese Systeme unbrauchbar als strategische Entscheidungsgrundlage.


EPM-Systeme als neues Führungsinstrument

Im Gegensatz dazu ermöglichen moderne EPM-Systeme:

  • Simulation und Szenarien- Analysen zur Bewertung strategischer und operativer Optionen
  • Analyse in Echtzeit der 17 Leistungs- und Wettbewerbskennzahlen
  • Frühwarnsysteme zur Erkennung und Bewertung gegenüber Sollwerten von internen und externen Veränderungen von Risikofaktoren
  • Globale Wettbewerbsanalysen für Marktpositionierung und Feststellung des Wettbewerbsabstand als notwendige Soll-Zielgröße
  • Berücksichtigung des Hauptkosten- und Veränderungsfaktor ‚Auslastung‘, ohne dem keine Analysen, Bewertungen und Kalkulationen annehmbar sind.

Das EPM-Tool ist für Interim-Manager ganz entscheidend, da sie die zentrale Frage transparent und nachweisbar beantworten können: Wo steht das Unternehmen – und was passiert, wenn wir bestimmte Maßnahmen ergreifen (oder nicht)?

Die neue Kosten- und Leistungsrechnung als Erfolgsbasis

Ein zentrales Problem in der Unternehmenspraxis ist die fortbestehende Nutzung der alten klassischen, linearen Kosten- und Leistungsrechnung (KLR).

Diese hat zwei zentrale Nachteile:

  1. Ist ohne Kalkulationsgüte, also sehr ungenau im Ergebnis  
  2.  Liefert für viele zentralen Erfolgsfaktoren keine theoretische Basis, also z.B. für ein reales Unternehmenscontrolling, für ein Frühwarn- und Überwachungssystem, für die heute wichtigen Wettbewerbsanalysen, für die Erfassung des Hauptkosten- und Veränderungsfaktor ‚Auslastung‘, für ein effektives erfolgreiches Beschaffungsmanagement oder zur Fest-stellung der individuellen Gewinn- oder Verlustbeiträge aller Produkte in der Absatzleistung, die Führung- und Steuerungsgröße des effektiven ID-Preismanagement.

Moderne EPM-Systeme integrieren hingegen die neu entwickelte moderne und verursachungsgerechte KLAR ohne die groben vielen Schwächen und Fehler der alten klassischen Kosten- und Leistungsrechnung mit Insolvenzgefahr für den Anwender ‚Unternehmen‘
 

Für Interim-Manager ist dies essenziell: Nur wenn klar ist, welche Produkte oder Kunden Gewinne oder Verluste erzeugen, lassen sich effektive Strategien und zeitnahe gute Gewinne ohne Investitionen und großen Veränderungen entwickeln.

In vielen Unternehmen ist die veraltete KLR ein verdecktes Insolvenzrisiko, weil sie falsche Entscheidungsgrundlagen liefert. 


Transformation durch EPM: Einkauf, Preismanagement oder z.B. dem Hauptkosten- und Veränderungsfaktors ,Auslastung‘

Ein weiteres zentrales Einsatzfeld für EPM-Systeme ist die Transformation betrieblicher Funktionsbereiche. Beispiele:

  • Einkauf → Beschaffungsmanagement: Mit EPM als notwendige Basis kann der Einkauf aus einer administrativen Rolle in ein strategisch wertschöpfendes Beschaffungsmanagement transformiert werden. Preisvergleiche, Lieferantenrisikoanalysen und Bedarfsprognosen sind direkt im System möglich.
  • Preismanagement → ID-Pricing: Durch Identifikation individueller Deckungsbeiträge wird ein ID-Preismodell möglich, das exakt zeigt, welches Produkt bei welchem Kunden in welcher Absatzkonstellation Gewinn oder Verlust erzeugt.
  • Kapazitäts- und Auslastungssteuerung: Mit EPM und der neuen modernen KLR heute erstmalig Realität

Diese Steuerungsfelder waren mit herkömmlichen Methoden schlicht nicht möglich – oder fehleranfällig.

 Wissenschaftliche Einordnung: Die neue Rationalität der Führung und Steuerung von Unternehmen

Wissenschaftliche Studien und Fachveröffentlichungen (u.a. BARC, Gartner, Controlling Journal, WHU, ZfU, Controlling-Portal, Controlling-Paper) bestätigen, dass der Einsatz moderner EPM-Systeme mit folgenden Effekten korreliert:

Höhere Steuerungsqualität nach Transformations-Prozessen

Digitale Transformation darf nicht auf veraltete gefährliche Methoden und Lösungen aufbauen.

Gerade die festgestellten groben Schwächen und Fehler in der alten klassischen Kosten- und Leistungsrechnung mit Insolvenzgefahr für den Anwender ‚Unternehmen‘ müssen vor einem aufwendigen und teuren Digitalisierungsprozess konsequent erkannt und beseitigt werden.

Das SDT-Prinzip lautet daher: Erst analysieren und optimieren – dann sicher digital transformieren.

Reduzierung des Insolvenzrisikos durch neue moderne Kosten- und Leistungsrechnung (KLAR)

Höhere Profitabilität durch strategisches Preismanagement mit dem zentralen Führungs- und Steuerungsfaktor ‚Individuelle Gewinn- oder Verlustbeiträge der Wertschöpfungsprodukte in der Absatzleistung‘

Schnellere und entscheidungssichere Umsetzung der ‚richtigen strategischer und operativen Maßnahmen durch Szenario-Transparenz & Qualität

Alles in Echtzeit und direkt in jedem Meeting- Ergebnis in einer neuen Qualität der Entscheidungssicherheit

In diesem Zusammenhang wird das EPM-System nicht nur als Träger der neue Kalkulationsgüte anerkannt, sondern als betriebswirtschaftliches Führungs- und Steuerungsinstrument geschätzt –

Insbesondere im Kontext zeitlich begrenzter, effektorientierter Mandate wie dem Interim-Management mit seiner hohen Verantwortung für maximalen Erfolg, Resilienz und Zukunft des Mandanten.

 

Fazit: Ohne EPM kein nachhaltiges Interim-Management

Ein professionelles EPM-System ist für Interim-Manager heute ein unverzichtbares Werkzeug. Es liefert:

  • Zugang zu steuerungsrelevanten Informationen in Echtzeit
  • Grundlage für präzise Ergebnisrechnung bis auf Produktebene
  • Möglichkeit zur Transformation operativer Funktionen
  • Simulation und Planung als Basis fundierter Entscheidungen
  • Reduzierung von nachweisbaren Fehlentscheidungen

Ohne diese EPM-Systemunterstützung bleibt Interim-Management oft blind – getrieben von Bauchgefühl, Zeitdruck und unzureichender Datenqualität, die zusätzlich ohne EPM-System nicht erkannt werden kann.

Interim-Management ohne EPM ist wie Navigation ohne Karte.

  

Literaturhinweise (Auswahl):

Horváth, P. (2020): Controlling mit Kennzahlen, Schäffer-Poeschel

Gänswein, M. (2019): Interimsmanagement in der Unternehmenspraxis, Springer Gabler

BARC Research (2023): The Planning Survey

Gartner (2022): Market Guide for Corporate Performance Management

Schäffer, U.; Weber, J. (2022): Einführung in das Controlling, Schäffer-Poeschel