Aus der Praxis für die Praxis: Fachzeitschrift für datenbasierte Unternehmensführu​ng und Controlling

04/25

Auslastung – Der gefährliche Nebel der deutschen Industrie und unterschätzter unbemerkter Krisenindikator

Frank Bürger

Die betriebswirtschaftliche Kosten-Leistungs-Rechnung (KLR) bildet traditionell das Fundament der internen Unternehmenssteuerung. Doch trotz ihrer zentralen Rolle vernachlässigt sie neben weiteren Schwächen eine entscheidende Einflussgröße: die Kapazitätsauslastung. Gerade in volatilen Märkten und schwankender Nachfrage führt dieses methodische Defizit zu gefährlichen Steuerungslücken – insbesondere für Produktionsunternehmen der Kunststoff-, Metall- und Elektroindustrie (KME).

1. Auslastung als blinder Fleck der klassischen KLR

Mit der Einführung moderner Enterprise Performance Management (EPM)-Systeme und der darauf aufbauenden neuen KLR ist es erstmals möglich, die Ergebniswirkung von Auslastungsveränderungen präzise zu quantifizieren.

Hierbei wurde für ein repräsentatives KME-Durchschnittsunternehmen ein EBIT-Rückgang in Höhe von 679.881 infolge eines lediglich 3%-Punkte umfassenden Auslastungsrückgangs (von 100 % auf 97 %) festgestellt. Dies entspricht einer relativen Ergebnisverschlechterung von -19,95%.

Solche Effekte blieben in der klassischen KLR vollständig verborgen.

Damit wird die hohe Hebelwirkung einer Auslastungsreduzierung erstmalig in der modernen KLR transparent und steuerungsrelevant abgebildet.

Die Auslastungs-Wirkungskennzahl (AWK) zeigt den EBIT-Verlust pro 3%-Prozentpunkt Rückgang der betrieblichen Auslastung. Die AWK fungiert somit als Risikofrühindikator und quantifiziert die operative Sensitivität gegenüber Nachfragenschwankungen – ein bislang in der KLR vernachlässigter, aber betriebswirtschaftlich hochkritischer Faktor.

 Hierbei wurde für das repräsentatives KME-Durchschnittsunternehmen (*) ein EBIT-Rückgang in Höhe von 679.881 € infolge eines lediglich 3 %-Punkte umfassenden Auslastungsrückgangs (von 100 % auf 97 %) festgestellt. Dies entspricht einer relativen Ergebnisverschlechterung von -19,95 %. Solche Effekte blieben in der klassischen KLR vollständig verborgen.

(*) KME- Durchschnittsunternehmen: Angefertigt für den Arbeitgeberverband als Durchschnitts-unternehmen der Kunststoff-, Metall- und Elektrounternehmen für den globalen Wettbewerbsvergleich von Wirtschaftsstandorten.

Damit wird die Hebelwirkung einer Auslastungsreduzierung transparent und steuerungs-relevant abgebildet. Die Auslastungs-Wirkungs-Kennzahl (AWK) zeigt den EBIT-Verlust pro 3%-Prozentpunkt Rückgang der betrieblichen Auslastung.

Die AWK fungiert somit als Risikofrühindikator und quantifiziert die operative Sensitivität gegenüber Nachfragenschwankungen – ein bislang in der KLR vernachlässigter, aber betriebswirtschaftlich hochkritischer Faktor.

Der AWK ist auch die neue Methodik und Lösung für die gefährlich falsche klassische Break-Even-Analyse, ein zentrales Instrument der Kosten- und Leistungsrechnung zur Ermittlung der Gewinnschwelle eines Unternehmens.

Die klassische KLR: methodisch überholt und gefährlich unzureichend

Die Vernachlässigung der Auslastung als zentralem Hauptkostentreiber ist jedoch nur eine von mehreren gravierenden Schwächen der klassischen KLR. Die traditionelle Vollkostenrechnung liefert nicht nur unzureichende, sondern vielfach irreführende Ergebnisse – mit potenziell existenzgefährdenden Folgen.

So wurde wissenschaftlich und in der Praxis nachgewiesen, dass die klassische KLR systembedingt hohe Insolvenzrisiken für den Anwender ‚Unternehmen‘ begünstigt, da sie weder reale Produktprofitabilitäten differenziert abbildet noch eine tragfähige Grundlage ein für wirksames Unternehmenscontrolling und für die Kalkulationsgüte bietet.

2. Weitere systembedingte Schwächen der klassischen KLR

Die klassische KLR leidet nicht nur unter der fehlenden Berücksichtigung von Auslastungseffekten. Ihre grundsätzliche Methodik ist veraltet und vielfach irreführend:

  • Die klassische Kosten- und Leistungsrechnung (KLR) hat in der Vollkosten- und Teilkostenrechnung grobe Defizite und liefert als Ergebnis für den Anwender ‚Unternehmen‘ ein hohes Insolvenzrisiko.
  • Ein reales Unternehmenscontrolling und damit eine effektive Führung und Steuerung von Unternehmen ist mit der klassischen KLR ausgeschlossen.
  • Die heute in der Globalisierung wichtigen Wettbewerbsanalysen sind ebenfalls mit der klassischen KLR-Methodik schon theoretisch nicht
  • Jedes Produkt in der Absatzleistung hat einen individuellen Gewinn oder Verlustbeitrag. Dieser Erfolgsfaktor und zentrale Führungs- und Steuerungsfaktor ist mit der klassischen KLR nicht möglich, was den Unternehmen wertvolle Erkenntnisse und Zielgrößen für ihre Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit nimmt.
  • Unternehmen benötigen zwingend zur Krisenerkennung und -vermeidung ein Frühwarn- und Überwachungssystem, was aber mit der klassischen KLAR auch schon theoretisch ausgeschlossen ist
  • Es fehlt mit der klassischen KLR die notwendige Kalkulationsgüte, d.h. alle Kalkulationsergebnisse haben damit meist eine größere Ungenauigkeit als der EBIT am Umsatz.

Diese strukturellen Mängel der klassischen KLR haben ein hohes Insolvenzrisiko bei dem Anwender ‚Unternehmen‘ und untergraben die strategische und operative Handlungsfähigkeit, sowie die wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit.

3. Fazit: AWK als Schlüssel zu moderner Unternehmenssteuerung

Die Einführung der AWK markiert einen längst überfälligen Paradigmenwechsel in der KLR-Systematik. Sie verknüpft Produktionswirtschaft, Unternehmenscontrolling, sowie Führung- und Steuerung auf eine datenbasierte Grundlage. Ergebnisrisiken lassen sich frühzeitig identifizieren, Maßnahmen zur Fixkostensenkung gezielter priorisieren, Kapazitätsentscheidungen fundierter treffen.

Auch zentrale Erfolgsfaktoren wie die Transformation des Einkaufs in ein effektives Beschaffungsmanagement und die effektive ID-Preismanagement 4.1 brauchen zwingend die Methodik der neue moderne KLAR.

In Zeiten globalisierter Märkte und instabiler Nachfrage ist die Berücksichtigung der Auslastungswirkung nicht nur ein methodischer Fortschritt – sie ist betriebswirtschaftlich unverzichtbar. 

Die AWK macht sichtbar, was bislang verborgen blieb – und stärkt die Führungs- und Steuerungsfähigkeit und Resilienz moderner Unternehmen nachhaltig.

 4. Beispiel und Anwendung der modernen KLAR in einem EPM-System- Alles in Echtzeit, direkt in jedem Meeting und Basis von notwendigen Szenarien-Analysen.


Wichtig:

Aufgrund ihrer methodischen Ausrichtung auf andere Herausforderungen und Aufgaben sind ERP-Systeme nicht dafür geeignet, Auslastungsveränderungen systematisch zu erfassen oder deren Einfluss auf das Betriebsergebnis abzubilden.

5. Auslastungs-Wirkungskennzahl (AWK) – Wissenschaftliche Definition:

Die Auslastungs-Wirkungskennzahl (AWK) ist eine betriebswirtschaftliche Steuerungsgröße, die den sensitivitätsbezogenen EBIT-Effekt einer prozentualen Veränderung der betrieblichen Kapazitätsauslastung quantifiziert.

Sie misst den absoluten Verlust oder Gewinn im Betriebsergebnis (EBIT), der durch eine definierte Veränderung der Auslastung zwischen einer 100% und 97% Auslastung eintritt. Der Auslastungsrückgang wird fest mit 3% festgelegt.

Die AWK dient damit als Frühindikator für die operative Ergebnisvolatilität infolge von Nachfrageschwankungen und ermöglicht eine risikoorientierte Steuerung von Kapazitätsauslastung und Fixkostenstruktur.

AWK in % = (kalkulatorischer EBIT 100% - kalkulatorischer EBIT 97%) / kalkulatorischer EBIT 100%

Die AWK ist insbesondere im Rahmen der modernen Kosten- und Leistungsrechnung (moderne KLR) von Bedeutung, da sie eine transparente Abbildung der Hebelwirkung von Unternehmenskosten bei Auslastungsänderungen erlaubt – ein Aspekt, der in der klassischen KLR häufig unberücksichtigt bleibt.


Zweck und Bedeutung:

Die AWK fungiert als Risikofrühindikator und ist ein zentrales Instrument zur Identifikation und Bewertung von Ergebnisrisiken infolge kapazitätsbedingter Fixkostendegressionseffekte. Im Gegensatz zur klassischen KLR, die Auslastungseffekte ignoriert, integriert die moderne KLR mithilfe der AWK die Kapazitätsauslastung als strategischen Stellhebel der Ergebnissteuerung.


Paradigmenwechsel in der Unternehmenssteuerung:

Durch die AWK wird ein grundlegender blinder Fleck der klassischen Vollkostenrechnung beseitigt.

Auch diese Einführung markiert einen Paradigmenwechsel von einer vergangenheitsorientierter und fehlerhaften Kostenzuordnung hin zu einer zukunftsgerichteten, auslastungssensitiven Ergebnissteuerung im Rahmen moderner Enterprise Performance Management (EPM)-Systeme.

Im Gegensatz zu klassischen ERP-Systemen, die methodisch nicht in der Lage sind, Auslastungsveränderungen zu analysieren, ermöglicht die AWK integriert, in den EPM-Systemen, eine frühzeitige Identifikation von Ergebnisrisiken, eine belastbare Kalkulationsgüte, sowie eine fundierte Entscheidungsvorbereitung für Kapazitäts- und Fixkostenmanagement.

Die AWK- Methodik ersetzt die bisherige klassische und für den Anwender gefährliche Break-Even-Analyse innerhalb der Teilkostenrechnung, also als zentrales Instrument der Kosten- und Leistungsrechnung zur Ermittlung der Gewinnschwelle des Unternehmens.


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